Emil macht Theater

(Bericht in der Frankenpost am Montag, 3.10.08)

Karlheinz Hamm, Erzieher und Theatermacher, im Kreis seiner Akteure aus der zweiten Klasse. Als Vogel, Igel oder Schnecke lernen die Kinder das Leben in der Hecke kennen.

Einmal Eichhörnchen, Igel sein | Umweltpädagogik | In Zell lernen Volksschüler der ersten bis fünften Klasse die Natur einmal auf ganz andere Weise kennen. Bund Naturschutz Hof setzt mit seinem neuen „Emil“-Programm auf die Lust am Theaterspielen.
Von Lisbeth Kaupenjohann

Zell – Seit zehn Jahren tourt das Umwelt- und Erlebnismobil „Emil“ durch die Stadt und den Landkreis Hof und macht Schüler mit der heimischen Natur besser bekannt. Jetzt hat sich der Bund Naturschutz Hof für das Winterhalbjahr, wenn der umgebaute Bauwagen im Winterquartier ist, ein neues Programm einfallen lassen: „Emil macht Theater“. Die Volksschule in Zell hat als erste Schule im Landkreis das Projekt angenommen. Ein Blick in die zweite Klasse zeigt, dass dieser Dienstag ein ganz besonderer Schultag für die Jungen und Mädchen ist: Sie sind heute nämlich abwechselnd auch einmal Igel, Schnecke, Eichhörnchen – oder ganz einfach Teil einer Hecke. Die haben sie sich eine Woche zuvor draußen in der Natur genau angeschaut. Nun wird das Schulzimmer zur Theaterwerkstatt umfunktioniert. Unter Anleitung von Karlheinz Hamm, der die Qualitäten eines Erziehers mit denen eines erfahrenen Kinder- und Jugendtheatermachers vereint, fühlen sich die Kinder in das Leben in der Hecke ein. Was macht einen Haselnussstrauch aus, einen Rosenbusch, Holunder-, Himbeer-, Weißdornstrauch? Welche Tiere leben in der Hecke? Was fressen sie? Sinnlich erleben, besser merken Dies und mehr lernen die Kinder auf spielerische Art und Weise kennen und in eine Theaterszene umzusetzen. In fünf Wochen, an ihrem fünften „Emil“-Tag, wird es ein gemeinsames Theaterspiel geben mit den anderen Schülern. So hat sich die erste Klasse dem Thema Wiese zugewandt, die dritte dem „Wald“, die vierte dem „Wasser“, die fünfte der „Natur im Wechsel“. Die Aufgabe von Karlheinz Hamm wird es sein, das alles zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Schon jetzt ist Schulleiterin Erika Schneider gespannt darauf, und natürlich sind das auch die Eltern. Von denen kam schon so manche positive Rückmeldung, wie Schneider erzählt. „Etwas, das Kinder erlebt haben, bleibt ihnen viel besser im Gedächtnis als das, was sie nur wie gewohnt im Unterricht durchgenommen haben.“ Deshalb gebe es an ihrer Schule auch immer wieder Projektarbeit in der Natur. „Das jeweilige Thema, das sich die Klassen gewählt haben, steht sowieso auf dem Lehrplan.“ Das Projekt ergänze ganz ideal den Unterricht, davon sind Wolfgang Degelmann vom Bund Naturschutz Hof und BNKreisvorsitzende Annette Schaumberg, ebenfalls beim Start in Zell dabei, überzeugt. Über Herz und Sinne könnten die Kinder ihre Umgebung wahrnehmen, Verständnis für die Zusammenhänge entwickeln. „Es ist ein Glücksfall, dass Karlheinz Hamm zu uns gestoßen ist“, meint Degelmann. Der sei auch Mitbegründer des bekannten freien Kinder- und Jugendtheaters „Rootslöffel“ in Nürnberg. 15 Jahre lang habe er dort anerkannt gute Theaterarbeit mitgestaltet. Inzwischen haben auch einige andere Schulen „Emil macht Theater“ gebucht. Das Projekt gibt es natürlich nicht zum Nulltarif für die Schulen. Der Bund Naturschutz könnte die Aktion ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen nicht finanzieren. Auch die Eltern leisten einen kleinen Obolus. Hauptsponsoren sind bislang die Firma Gealan, Oberkotzau, und der Hofer Abfallzweckverband. Degelmann dankte Bernd Wiederholt von Gealan und Willi Fränkel, Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes, die an diesem Tag ebenfalls nach Zell gekommen waren, für ihr Engagement.