Nie allein aufs Eis
FP 15.10.2010


Was tun, wenn jemand auf einem zugefrorenen Teich oder See einbricht? Die DLRG-Jugend Bayern gibt Schülern in Zell praktische Rettungstipps.

Von Helmut Engel

Zell - Immer wieder brechen während eines Winters Personen in zugefrorene Teiche oder Seen ein, weil das Eis doch nicht so dick ist, dass es auch trägt oder gar sportliche Betätigung darauf zulässt. Doch was tun, wenn die Freundin oder der Freund auf dem Eis einbricht?

Rechtzeitig vor Anbruch des Winters besucht die DLRG-Jugend Bayern Schulen im Freistaat, um den Mädchen und Buben das richtige Verhalten auf dem Eis zu vermitteln. Klares Ziel ist dabei: die Sicherheit zu erhöhen.

Für zwei Tage weilten die Rettungsschwimmer Anna Essing als Projektleiterin sowie Lisa Althammer und Patrick Germer, die beide ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren, an der Volksschule in Zell, um mit den Kindern - bis zur sechsten Klasse - die Eisregeln zu trainieren. Verstärkung bekamen sie noch durch Markus Hilpert vom DLRG-Ortsverband Zell. Durch die Präventionsarbeit der Eisretter lernen die Schüler "Elemente der Fremdrettung" - so heißt es im Amtsdeutsch -, ohne dabei selbst in Gefahr zu raten.

 

 

 

Wichtige Botschaften

Die wichtigsten Botschaften gab es gleich vorneweg: Nie gleich an den ersten kalten Tagen aufs Eis gehen, das Eis sollte mindestens 15 Zentimeter dick sein, auf einem fließenden Gewässer sogar mindestens 20 Zentimeter. Eindringlich wurden die Schüler darauf hingewiesen: "Geht nie allein aufs Eis!" Dies sollte dann auch sofort wieder verlassen werden, wenn ein Knistern oder Knacken zu hören ist. Wenn es dafür schon zu spät ist und man einzubrechen droht, sollte man sich schnellstens flach aufs Eis legen und sich vorsichtig in Richtung Ufer bewegen.

Anhand eines Trainingsparcours, auf dessen einzelnen Stationen die Eisrettung auch "trocken" demonstriert werden konnte, wurde den Schülern eindrucksvoll vor Augen geführt, wie gefährlich es ist, im Winter zugefrorene Teiche oder Flüsse zu betreten, besonders auch dann, wenn schon jemand eingebrochen ist, den man retten möchte.

Bevor es richtig losging, konnten die Buben und Mädchen zunächst einmal testen, wie kalt Eiswasser wirklich ist. Sie tauchten dabei ihren Arm bis zum Ellenbogen in eine mit Eiswasser gefüllte Kühlbox. Niemand hielt mehr als die vorgegebenen 45 Sekunden aus, die meisten Testpersonen zogen den Arm schon lange vor der abgelaufenen Zeit wieder heraus. "Und dann stellt euch vor, ihr müsst in solch kaltem Wasser fünf Minuten und länger aushalten, bis ihr euch selbst wieder herausgezogen habt oder bis ihr gerettet werdet", warnten die DLRG'ler die Schulkinder.

Wie sie sich selbst wieder aus der misslichen und auch oft tödlichen Lage wieder befreien können, wurde an der ersten Station geübt. Eingeschlossen zwischen drei Turnböcken mussten sie versuchen, sich vorsichtig mit den Armen am "Eis" abzustützen, damit es nicht weiter abbricht, und ohne sich mit den Beinen am Boden abzustoßen, um sich zu befreien. Dass dies gar nicht so einfach ist, stellten die Schüler schon bei den feststehenden Böcken fest. Wesentlich schwieriger dürfte dies dann auf dem Eis sein, wenn man sich mit total abgekühltem und oft schon steifem Körper herausquälen muss.

An den beiden folgenden Stationen gab es Tipps für Helfer, wie sie einen Eingebrochenen retten können, etwa indem sie auf einem Brett, einer Leiter oder einem umgedrehten Schlitten das Gewicht auf dem Eis verteilen. Hat man sich dann fast bis an den Rand des Loches herangearbeitet, sollte man dem Eingebrochenen ein Schalende oder ein eventuell vorhandenes Rettungsseil als "Armverlängerung" zuwerfen und ihn herausziehen. "Nie mit der Hand!", warnt Rettungsschwimmer Anna Essing. Die Gefahr dabei: Man könnte dadurch selbst mit in das Eisloch hineingezogen werden.

Weil eine Unterkühlung lebensbedrohlich sein kann, sollte nach der Rettung sofort die "112" gerufen werden. Deshalb lernten die Schüler auch die "fünf W", die jedem geläufig sein sollten:

  • Wo geschah es?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Menschen sind betrof fen?
  • Welche Art der Verletzung oder Erkrankung liegt vor?
  • Warten auf Rückfragen.

Bis Notarzt und Rettungsdienst eintreffen, muss Erste Hilfe geleistet werden. Der Gerettete sollte in eine warme Decke gehüllt und mit einem warmen, zuckerhaltigen Getränk versorgt werden, rieten die DLRG'ler. Auf keinen Fall sollte dem Unterkühlten Alkohol eingeflößt werden. Statt einer warmen Decke kann auch eine Schutzdecke, die laut Vorschrift in jeden Kraftfahrzeug-Verbandskasten gehört, genommen werden. Die silberne Schicht sollte dabei dem Körper zugewandt sein, dadurch wird die Körperwärme reflektiert, das kann eine Unterkühlung verhindern.

Auch die Lehrkräfte waren vom Aufbau des lebendigen und praxisnahen Vortrags begeistert. "Durch das eigene Erleben und den Übungsparcours macht den Schülern das Lernen nicht nur Spaß, sie werden sich im Ernstfall auch an das Gelernte erinnern", waren sie sich einig.

DLRG-Initiative

Seit über einem Jahr besucht die DLRG-Jugend Bayern die Grundschulen, um den Kindern die Bade- und Eisregeln näherzubringen. In drei Jahren sollen so über 30 000 Personen erreicht werden. Unterstützt wird die DLRG-Jugend durch die Versicherungskammer Bayern und das bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. Weitere Informationen sind auch im Internet nachzulesen unter www.eisregeln.

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