Bericht in der FP vom 23.12.2008

Bethlehem sucht den Superstar

Volksschule Zell | Schüler, Lehrer und Elternbeirat unterhalten ihr Publikum mit einer fröhlichen und gleichzeitig nachdenklichen Feier: Die Sterne sind nicht dazu da, vom Himmel geholt zu werden.


Die zweite Klasse beeindruckte mit dem Singspiel „Kleiner Stern von Bethlehem“.

Zell – Ein Jubiläum konnte an der Volksschule Zell gefeiert werden: Erika Schneider begrüßte zum 20. Mal als Schulleiterin die vielen Gäste zur vorweihnachtlichen Feier in der viel zu kleinen Aula der Schule. Mahnende Worte fand sie in ihrer Weihnachtsansprache. Schon viermal hätten zur Adventszeit die „Sterne“ im Mittelpunkt des Geschehens gestanden, sagte sie einleitend. Deshalb habe sie geglaubt, in ihrem Fundus etwas zu entdecken, das für die Festrede noch zu gebrauchen wäre. Doch für die heutige Situation sei nichts Passendes dabei gewesen.

Heute würden die Sterne oft wegen ihrer angeblichen magischen Wirkung angebetet, auf Fahnen und Flaggen zur Schau getragen, viele Menschen griffen immer noch gerne nach ihnen. Früher seien die Hirten und die heiligen drei Könige dem Stern gefolgt, der sie in armselige Verhältnisse zu einem Kind geführt habe, das auch später als Erwachsener nicht auf Grund seines Reichtums und seiner Macht Einfluss auf die Menschen gewonnen habe, sondern durch Demut und seinen Dienst am Menschen. Heute gewinne dagegen Geld als Mittel der Macht immer mehr an Einfluss. So erhielten immer weniger Menschen immer mehr wirtschaftliche Macht, bis sie glaubten, nach den Sternen greifen zu können. „Das nennt man Gier!“ Die großen globalen Dienstleister hätten vor allem sich selbst gedient. Doch die Sterne ließen nicht nach sich greifen.

Dies verdeutlichten später die Schulkinder auch in einigen ihrer Vorträge. Die stimmungsvolle Feier begann mit einem Instrumentalstück der dritten und vierten Klassen. Die dritte Klasse hatte anschließend „in der Weihnachtsbäckerei“ alle Hände voll zu tun. Die Zweitklässler beeindruckten mit ihrem Spiel „Kleiner Stern am Himmel“, und die siebte Klasse bewies, dass sich die Weihnachtsgeschichte auch als Rap gut anhört. Die dritte Klasse verriet, was für sie ein „Weihnachtstraum“ wäre.

Stimmung kam auf mit „Bethlehem sucht den Superstar“ der Schul-Spiel-Gruppe. Ganz im Stil von Dieter Bohlen fand die Casting-Show statt, der Moderator achtete jedoch darauf, dass kein „Krieg der Sterne“ ausbrach.

In einem Gedicht kündigte die sechste Klasse an: „Wenn wir die Geschenke nicht erhalten – bleiben wir die Alten“. Ein weiterer Höhepunkt war das Spiel „Heiliger Bimbam“ der neunten Klasse. Von der Wolke 69 aus beobachteten die Engel das Geschehen auf der Erde, das ihnen gar nicht gefiel. Gier nach Geld und Umweltverschmutzung stießen den himmlischen Wesen schwer auf. Sie kamen deshalb überein: Die Menschen haben Weihnachten nicht mehr verdient, die Engel werden Weihnachten boykottieren. Doch ein Engel wollte sich dem Boykott nicht anschließen, denn „wenn wir Weihnachten abschaffen, dann schaffen wir die Hoffnung ab“.

Auch der Elternbeirat hatte sich viel Arbeit gemacht und die Pausenhalle in einen Weihnachtsmarkt verwandelt, wo sich alle zum gemütlichen Ausklang bei Glühwein zusammenfanden. H. Engel